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Alla prima und Lasuren

Dieses Thema im Forum "Lektionen zur Ölmalerei" wurde erstellt von mahagonie, 30 September 2013.

  1. mahagonie

    mahagonie Mitglied

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    Hallo Leute,

    Ich hab mal eine frage .
    Welche vor oder Nachteile hat die schichtmalerei gegenüber alla prima?
    Untermalt man vorher komplett und koloriert dann lasierend ?
    Warum machen das viele Künstler anscheinen lieber ?




    Beste Grüße Mario
     
  2. Mastix

    Mastix Forum-Guru

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    Nun, ich bin Eine von denen, die immer untermalen. Am liebsten mit Schwarz/Weiß. Ich finde es faszinierend,wie man mit der Untermalung die endgültige Temperatur des Bildes beeinflussen kann. Wenn ich jetzt mit Umbra,also in Brauntönen untermale, dann hat das Bild später eine wärmere Farbtemperatur,als wenn ich es mit S/W untermale.
    Allerdings lasiere ich nur dort wo es sein muss,also zum Schluss zb, um die Farbe etwas tiefer zu machen.
    Ich male in Schichten, heißt mit deckenden und halbdeckenden Schichten. Deckend in den hellen Partien und halbdeckend in den dunkleren Partien,also den Schatten- und da ist die Untermalung meines Erachtens sehr von Vorteil, da eben diese durch die dünne Schicht hindurch schimmert und so zb.ein opisches Grau ergibt, das man so mit alla prima nicht erziehlen kann. (Hab früher auch alla prima gemalt)

    Und dann mache ich auch gerne eine Untermalung ,weil ich eine faule Socke bin, und diese Untermalung praktisch als "Fahrkarte" nehme ,und mich dann nur noch um die Farben kümmern muss. Bei Portrais sehr von Vorteil, vor Allem wenn ich ein Schwarz- Weiß Bild in Farbe umwandeln will. Ist für mich dann einfacher.
     
  3. Johndell

    Johndell Senior Mitglied

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    Die Frage was Vor oder Nachteile hat ist schwer zu beantworten, da man gewissermaßen Äpfel mit Birnen vergleicht.

    Schichtenmalerei ist auch wieder was anderes als Lasur Malerei, während bei der Lasur Malerei von hell nach dunkel gearbeitet wird, wird in der Schichtenmalerei auch mit weiß Erhöhungen gearbeitet und mit hell Lasuren. Dies ermöglicht es Effekte zu konstruieren, als würde in einem Portrait das Blut wirklich durch die Haut reflektieren. Das kommt zustande, wenn man vorher Chromatisch und sehr Bunt untermalt und wieder mit einer hellen Hautfarbe übermalt um die Farben wieder zu bändigen.
    Allerdings ist es ein Effekt, der auch nur live entsteht wenn man vor so einem Gemälde steht, und ist kaum fotografisch abbildbar.
    Da lohnt es sich nach der Flämischen Malweise zu recherchieren….

    Bei der Lasurmalerei entsteht mehr das Tiefenlicht in den schattigen Bereichen. Meist legt man eine Untermalung in einem Hight key Tonwert an- also einen Tonwert heller als die Vorlage, weil die darauf folgenden Lasuren zu den Tonwerten hinzu addiert werden. Man macht das Bild eben wie du schon sagtest in S/W und koloriert es. Viele machen es anscheint, weil es etwas einfacher ist komplexere Übergänge zu gestallten. Ein Bild besteht ja aus Farbton, Farbsättigung und Tonwert. Wenn man die Tonwerte schon unter Dach und Fach hat, kann man sich besser auf die 2 anderen Faktoren konzentrieren.

    Ala Prima ist eben eine direkte Malweise, wie du sicherlich schon weißt…. ihr Anwendungsgebiet ist mehr in der Losen Malerei oder des Impressionismus zu finden, wie auch in der Plein air Malerei etc. Ist die reine Form der Malerei weil es da weniger Technische Tricks gibt zur Vereinfachung. Duktus, Design, Reduzierung müssen auf Anhieb stimmen und bilden da mehr Kontext zum Stil hin.

    Jeder der Techniken ist mehr zur Unterstützung des eigenen Stils gedacht. Rembrandt würde wahrscheinlich sagen “Tu das was für dein Bild nötig ist“. Vieles ist auch subjektiv…

    Schichten und evtl. Lasur Malerei haben objektiv gesehen den Nachteil, dass sie anfälliger sind für Risse.
     
  4. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Deiner Fragestellung entsprechend gehe ich davon aus, dass du auch wissen willst, WARUM der eine oder andere Maler diese oder jene Malweise bevorzugt.
    .

    Sitze ich vor einer Live-Landschaft oder vor einem zu Portraitierenden, brauche ich weder mit Lasur- noch mit Schichtentechnik anfangen. Da könnte ich maximal eine Acryl- bzw. noch besser eine Guache-Untermalung in Schwarzweiß, also eine Griseille für die Tonwerte fertigstellen.
    Oder eben alla prima direkt die Farbwerte an Ort und Stelle auftragen - und ganz wichtig den Lichteinfall.

    Manche Maler sehen die langsame Trocknung der Ölfarben als Nachteil und die damit verbundene Wartezeit zwischen einzelnen Lasuren/Schichten bei jeder Malart.
    Ich sehe das als absoluten Vorteil.
    So verrenne ich mich nicht betriebsblind, sondern bin gezwungen, mir das Bild immer wieder mit frischem Auge anzusehen, wie es ein fremder Betrachter tun würde. Gibt ein ganz anderes Ergebnis.
    Acryl ist der hektische Zeitgeist, Öl ist die langsame Leichtigkeit des Seins :00000295:

    Ich praktiziere alle drei (und noch einige mehr) Öltechniken. Für mich ist das schlicht eine Frage des jeweils gewünschten Ergebnisses und der Situation, in der ich male.
     
  5. Capahu

    Capahu Forum-Ikone

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    Alla prima Bilder kann man nach einer kurzen Trockenphase auch mit Lasuren bearbeiten.:00000281:
     
  6. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Genau. Wobei es nicht schlecht ist, vorher die Tonwerte einige Nuancen heller zu setzen, wenn man das beabsichtigt.
    Sonst gibt's leicht Düsternis.
    Habe durch Schaden klug werden müssen....:00000026:
     
  7. schulzchen67

    schulzchen67 Forum-Ikone

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    es ist eigentlich schon alles gesagt und Du solltest dann viel experimentieren!

    vG Thomas
     
  8. Lillemut

    Lillemut Aktives Mitglied

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    Hi Mario,

    das ist ein sehr umfangreiches Feld.
    Letztendlich muss man einiges ausprobieren um zu wissen wie man am besten arbeiten kann und dann kann sich das noch von Bild zu Bild ändern.:00000292:

    Hier noch ein anschauliches Beispiel mit Weißhöhungen.
    http://www.m-w-juergens.de/gedanken/ein-bild-entsteht-d/index.html

    Warum eine monochrome Untermalung?
    Ich mache das aus Bequemlichkeit, es ist sehr viel einfacher sich nur um Licht und Schatten zu kümmern und so die Formen auszuarbeiten.

    Im zweiten Schritt kümmere ich mich nur um die Farbe, alles andere ist ja schon da.

    In Schritt drei (und 4 usw.) arbeite ich mit Lasuren um den Farben mehr Leuchtkraft zu geben.
    So setze ich z.B. eine grüne Lasur über den Schatten (der nie schwarz ist) neben einer Tomate.
    Oder eine grüne Birne gibt auch immer etwas grün an seine Umgebung ab, z.B. auf ein weißes Tuch. Dafür sind Lasuren ideal.

    Im letzten Schritt kommen die Highlights, die pastös aufgetragen werden. Aber nie reines Weiß benutzen, komischerweise leuchtet es mehr mit einem Hauch gelb oder orange dabei.

    Aus diesem Grunde arbeite ich, wenigstens im Moment, lieber so.