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Darstellung von Metall

Dieses Thema im Forum "Wie male ich.......???" wurde erstellt von Inge, 11 Februar 2020.

  1. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Ich hatte mal anlässlich der Darstellung eines Harley-Davidson-Motors versprochen, einen Thread über die grundsätzliche Frage "Wie male oder zeichne ich Metall?" aufzumachen.
    Alle, die das sowieso schon supertoll können und auch hervorragend gezeigt haben (Ernesto, Birdy....) können getrost weiterclicken.

    Es gibt aber genügend Mitmaler, die sich vielleicht gerne einmal dieser Frage widmen möchten und für genau jene ist dieser Thread gedacht:

    Hey, ihr müsst NICHT gut zeichnen können, der Gegenstand kann sogar abstrahiert werden, egal. Konkret oder nicht konkret abgebildet folgt die Abbildung einfachen Regeln....
     
  2. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Die Oberfläche von Metall reflektiert Licht besonders stark und spiegelt damit die Umgebung. Je polierter und glatter die Oberfläche ist, desto konkreter stellt sich die reflektierte Umgebung dar und desto intensiver wird z. B. auch Sonnen- oder Kunstlicht darauf erscheinen. Ist die Oberfläche eher matt, erscheint die Umgebung und die Lichtspiegelung nur diffus.
    Wichtig: Reflexionen folgen dabei der Form des metallenen Gegenstandes, werden hierdurch verzerrt und gezogen.
     
  3. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Nehmen wir mal als Beispiel eine simple Ölkanne. Das ist kein besonders gutes Foto, macht aber nichts. Wie gesagt, die Wahrnehmung "Kanne, Metall!" ist bereits da.
    Was sieht der Mensch?
    - große Hell/Dunkel-Unterschiede
    - die Umgebung sowie das Licht, die der Kannenform folgend abgebildet werden.
    - Grautöne (bei der Darstellung von Gold wären es simpel Braun- bis Gelbtöne, bei Kupfer wären es halt Töne ins Rötliche)
     

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  4. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Wer jetzt mal probieren mag, einfach grob die Form der Kanne skizzieren. Man tut sich leichter, wenn man sich erst mal ein Kästchen mit der Höhe (etwas mehr als die Breite) macht und
    die "Nicht-Kannen-Bereiche" schon mal wegmalt.
     

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  5. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Jetzt einfach munter Flecken eintragen, die der Kannenform folgen, sie wären also - meist - schlank und unten breiter als oben.
    Die Wölbungen der Pressränder wären ggf. oben eher hell (Licht fällt darauf), die Spalten drunter eher dunkel.
    Damit die Kanne eher 3D wahrgenommen wird, kann man sie vorne (zum Betrachter hin) etwas heller lassen als an den Seiten.
    Man kann sich da bis zum Fotorealismus verausgaben, verblenden, konkretisieren. Das ist hier aber nicht der Zweck des Threads,
    sondern das Prinzip.
     

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  6. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Natürlich funktioniert das genauso in Farbe. Ich habe hier mal eine rasche Ölstudie auf grobem Gesso gemacht:
    Perspektivisch ungenau, Farben nur grob eingetragen, egal: Der Betrachter sieht's schon als Metall.
    Jetzt könnte ich die Kanne noch mehr abstrahieren, die Flecken drauf der Form folgend ebenso, trotzdem erhält
    der Betrachter schon genug Info, um zur gleichen Erkenntnis zu kommen: "Kanne, Metall!"
     

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  7. Annerl

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    Danke für die Erklärung. Das Bild ist dir sehr gut gelungen.
    Ich hatte vor einiger Zeit mit Aquarell eine Schiffsglocke und vor noch längerer Zeit eine Souciere aufs Papier gebracht.
    Auch dieses Material kann man dafür sehr gut verwenden.
     
  8. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Dankeschön Annerl, mit Aquarell habe ich mich noch nie an Chrom getraut.
    Wer jetzt die Reflektierten Gegenstände (oder die Szenerie) wirklichkeitsgetreuer darstellen möchte, sollte (vereinfacht erklärt) Folgendes berücksichtigen:

    - bei Röhren oder ähnlichen konvexen Formen "verschlankt" sich die dargestellte Umgebung stark. Muss ich eine Skizze machen? Wenn das z. B. ein verchromtes
    Rohr in der Draufsicht das Drumherum spiegelt, müssen ja die ganzen 360° Landschaft auf das dünne Rohr passen, während die Höhe der Reflektierten Dinge
    bei fehlender Krümmung und rechtem Winkel zum Gespiegelten nur von der Höhe des Rohres abhängt.
     

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  9. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Genauso funktioniert das natürlich in der Horizontalen und bei sämtlichen Mischformen. Man beachte auf diesem selbstgemachten Foto (Vorlage für ein künftiges Projekt)
    die kleine dicke Fotografin und die unterschiedliche Wiedergabe des benachbarten Autos auf Felge und Stoßstange
     

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  10. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Hier aber die allerbeste Vergleichsmöglichkeit der unterschiedlichen Formen und der Reflexionen, welche ein Maler idealerweise dann einträgt: Ich habe bei einer Oldtimer-Ausstellung einen dreifach gespiegelten Baum geknipst.
    Von diesem Auto habe ich ein anderes Foto, das schon auf meiner "To Do"-Liste für's Malen steht :)
     

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  11. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Um den geneigten Betrachter der Gemälde wirklich keinen Zweifel an eurer Aussage "Mensch, krieg' das in dein Gehirn - das hier ist METALL!" zu lassen, sollte man die Farben der Umgebung unbedingt - evtl. sogar etwas übersteigert - auf die Flächen nehmen. Hier zum Beispiel ist die Farbe des Motorrades völlig klar, obwohl man von diesem keinen Lack sieht, den habe ich absichtlich weggeschnitten.

    Man kann also selbst mit kleinen Farbklecksen den Bildbetrachter Information geben von Dingen, die überhaupt nicht das Sujet sind und sich auch nicht im Bildausschnittbereich befinden. Cool, oder?
     

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  12. Inge

    Inge SUPERVISOR

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    Hat man das erst mal verinnerlicht, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, der Kopyist tritt ab und der Künstler kommt ins Spiel. Steht die Limousine neben Marilyn Monroe oder James Dean? Parkt sie in Schwarzweiß an der Route 66 oder in Farbe in Miami? Egal, jetzt ist klar, wie sich diese Dinge um die Stoßstange wickeln lassen.
    Ich habe vor etlicher Zeit mal meine Wenigkeit auf einen Motor gespiegelt und hatte auch nur eine Vorlage so ähnlich wie die (aber ihr könnt sie natürlich gerne verwenden):
     

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  13. BR-Fan-Conny

    BR-Fan-Conny Aktives Mitglied

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    Ein toller Thread. Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen.
    LG Conny