Alte Pinsel entsorgen?

Pinselhansi

Senior Mitglied
Viele machen das viel zu schnell und kaufen dann für viel Geld hochwertige Künstlerpinsel.
Ok, auch die haben ihr Einsatzgebiet und werden vielleicht gebraucht.
Es gibt aber sehr oft Situationen, wo man mit diesen High-End-Over-Pinsel gar nichts anfangen kann.

Und jetzt kommen die alten (abgekauten) zerflederten Pinsel ins Spiel.
Ich habe hier mal zwei mitgebracht, die andere Maler vielleicht gar nicht mehr anfassen würden. Trotzdem haben sie bei mir ihre Daseinsberechtigung.

20231106_133205.jpg

Dieser Pinsel ist für fast gar nichts mehr zu gebrauchen, ABER wenn ich Laub auf die Bäume bringe, oder wildes Gras auf einem Stoppelrasen, dann ist er durch nichts zu ersetzen. Regelmäßig wird er auch noch nach dem Reinigen auf gestaucht, damit seine verklebten Borsten richtig auseinander stehen.

Probiert es mal mit solch einem alten Strunk aus, das Ergebnis wird euch überzeugen. Auf der Palette in die Farbe tupfen, das können auch Farbreste sein, oder verschiedene Farben gleichzeitig (Grün und Ocker und Schwarz oder Gelb) und dann auf die Leinwand. Damit vermeidet man einfarbige Flächen, die eh nur Langeweile in das Bild bringen.
Also ein grober Pinsel fürs Grobe. Ja und damit kann man auch stärker auf die Leinwand drücken, der nimmt es nicht übel und fabriziert nicht so schnell Matsch.

Etwas ganz anderes ist folgender Pinsel, der sich langsam zu meinem Lieblingsstück mausert.

20231106_133227.jpg

Hier sind die Borsten stellenweise kürzer geworden (warum auch immer, vielleicht war es einer der ersten Stunde aus dem Billigmarkt). Es war jedenfalls mal ein Flachpinsel.
Seine jetzige Form ist ideal, um Grasflächen den letzten Schliff zu geben. Mit wenig Farbe geladen und dann ganz locker von unten nach oben führen bringt er einzelne Grashalme, ohne zu sehr in Details abzurutschen.

Was ich sagen will, schmeißt nicht zu schnell alte Pinsel weg. Die einzigen, die ich mal weggeschmissen habe, waren ein ganzes Paket "Schülerpinsel", die ich nicht einmal den Kindern geben würde. Und diese waren ladenneu. Die Borsten waren anfangs schön geformt, nach dem Auspacken fingen sie an, dieselben von sich zu werfen und blühten auf wie Krokusse im Wind. Das war kein Schrott, das war Oberschrott der feinsten Güte.

Also, gönnt euren Pinseln ihr Altenteil. Denen geht es wie uns, zu irgendetwas sind sie noch nütze.
 

lady gaby

Senior Mitglied
Ja, so mache ich es auch und diese Methode ist nicht nur nachhaltig sondern auch künstlerisch sehr wertvoll.
Danke für deine ausführlichen Worte zu dieser Thematik, Hans!
 

Pinselhansi

Senior Mitglied
So oft liest man, dass Bilder nichts geworden sind, weil "billige Pinsel" aus dem Baumarkt genommen wurden und nicht die guten von Bob Ross. Die Wahrheit? Manchmal würde ein anderes Hobby mehr bringen und nicht unbedingt diesen Konzern noch reicher machen.
Ich will sagen, es liegt nicht immer am Werkzeug, man muss damit auch umgehen können.

Letzte Woche sah im im BR die Sendung zu 100 Jahre Rundfunk in Deutschland. Helge Schneider spielte da auf einem völlig hässlichen, unpolierten, uralten Saxofon. Aber wenn ich dran denke, bekomme ich wieder Gänsehaut. Er versteht eben sein Handwerk.
 
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Tiermalerin

Aktives Mitglied
Mit den Pinseln muss ich dir voll Recht geben. Ich liebe die alten Borstenpinsel, mit denen kann man sehr gut Fell- oder Haarstrukturen kreieren. Das geht nicht mit Neuen! Die Borsten müssen erst ein bisschen abstehen und ungleichmäßig lang sein. Von daher werfe ich die so gut wie nie weg. Aber die super kleinen 000 Rundpinsel, die taugen nichts mehr nach wenigen Stunden. Wenn die auseinandergehen bekommt die mein Mann für den Keller, wenn er mit Farbe was ausbessern muss. Dafür taugen sie dann noch.
 

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