Druckbleistifte im Vergleich zu normalen Bleistiften

Lexylas

Mitglied
Hallo Zusammen,

meine Frage handelt von Druckbleistiften im Vergleich zu normalen Bleistiften, d.h. solche in Holz eingefasst.

Erlesen habe ich bereits, dass
... es für Druckbleistifte unterschiedliche Minnendicken gibt, welche ein gleichbleibendes Linienbild ergeben (vereinfacht)
... die Minen eine stabile gleichbleibende Spitze haben und deshalb keinen Spitzer benötigt wird (einfach Mine "nachdrücken")
... Druckbleistifte in der Hand immer gleich sind, weil bei normalen Bleistiften durch das Spitzen die Länge der Bleistifte kleiner wird und sie sich deshalb stets anders halten lassen
... Druckbleistifte schwerer sind und sich dadurch für manche Künstler einfacher zu bedienen sind
... es durchaus sehr schöne Modelle gibt (optische Aufmachung).

Was genau sind aus eurer Sicht die Vorteile eines Druckbleistiftes?
Was sind aus eurer Sicht die Vorteile eines normalen Bleistiftes?
In welchen Anwendungsfällen nutzt ihr einen Druckbleistiften oder einen Normalen?
Macht es aus eurer Erfahrung heraus wirklich einen Unterschied, ganz dünne Bleistiftminen konstant nutzen zu können (beim Druckbleistift), während man den normalen Bleistift immer wieder anspitzen muss?
Lässt sich aus eurer Erfahrung auch mit ganz dünnen Minen im Druckbleistift eine schöne Schraffur erzeugen, wenn man diesen neigt?
Was sind eure Erfahrungen hier im Generellen, was macht für euch den Reiz der beiden Bleistiftarten aus?

Viele Fragen, viele Erfahrungen und viel Wissen von euch - ich bin wirklich interessiert und gespannt!

Liebe Grüße,
Alexa
 

Pinselhansi

Aktives Mitglied
Hi,

ich benutze hier ausschließlich Druckbleistifte, noch aus der alten Zeit von der Fa. KOHINOOR aus Tschechien. Dessen Minen müssen aber gespitzt werden, wenn man sie spitz haben will. Dazu kann man den Drücker hinten rausdrehen und damit die Mine richtig spitz machen. Minen dafür gibt es in allen Härtegraden, aber auch da habe ich noch Vorräte von "damals".

Ich kenne aber auch diese Stifte mit den ganz dünnen Minen, die schon abbrechen, wenn sie nur scharf angeschaut werden. Wo soll da ein Vorteil liegen? Beim Zeichnen wirst du wahrscheinlich eher weichere und breitere Minen brauchen, mit denen man auch mal etwas stärker aufdrücken kann.

Letztendlich musst du beide Sorten probieren und dann mal schaun, was dir mehr liegt.
ABER, ob ein Bild gut oder weniger gut wird, letztendlich entscheidet das nicht der Stift, sondern die Hand, die ihn führt.
 

MonaB

Forum-Guru
Teammitglied
Administrator
Hi Alexa,
eine Menge Fragen.
Druckbleistifte gibt es in verschiedenen Ausführungen, die Minen gibt es von sehr dünn bis etwas dicker.
Ich kann nicht so viel damit anfangen, weil mir die Härtegrade wichtiger sind.
Ich habe wenige Druckbleistifte in 2B, die ich eigentlich nur nutze für präzise Kleinigkeiten. Da macht es in meinen Augen Sinn, dass man eine gleichbleibende Spitze hat.
Allerdings wirft man relativ viel Mine weg, weil sie irgendwann nicht mehr feste hält im Stift und ständig rausrutscht. Nicht toll.
Einen in 6B, der eine dickere Mine hat, und den man mit speziellem Spitzer auch anspitzen kann.

Wie gesagt, Härtegrade finde ich wichtiger, dazu einen guten Spitzer (Kurbel oder elektrisch, manchmal auch von Hand (Messer) für eine längere freie Mine zum guten schraffieren) und gutes Papier. Mit normalen Bleistiften gelingen mir Schraffuren besser.
 

Joanne

Senior Mitglied
Ich habe einen Rotring Druckbleistift Stärke 0.5 aus Kunststoff. Den nehme ich häufig zum korrigieren oder Ergänzen bei Ölbildern, wenn es auf ganz kleine Stellen ankommt. (Beispiel, der helle Punkt im Auge ist missglückt, mit dem Stift wegschieben. Man kann damit auch problemlos schraffieren. Nachteil, nur leicht drücken, sonst bricht die Mine ab. Ich zeichne aber eher weniger. Ansonsten dann eben normaler Bleistift.
 

Jam_ART

Forum-Ikone
Druckbleistifte hab ich früher ( vor ca 100 Jahren) als Techniker für Pläne und techn. Zeichnungen
verwendet.
Für Kunst Zeichnungen ( für mich jedenfalls) sind sie absolut ungeeignet...
Erstens halte ich den Stift irgendwo , meist hinten
zweitens drücke ich unterschiedlich fest damit auf , drehe und schleife Ihn wärhend dem Zeichnen,
also ganz wild. Schattierungen mit der flachen Seite , Akzente usw.
Würde ein Druckbleistift nicht aushalten , bzw auch nicht meinen "wilden Strich"
( Stärke , Breite unterschiedliche Linien usw ) wiedergeben....
Ich verwende Stärkegrade ( und die sind am Wichtigsten ) von 6H bis 9B.

Einen Druckstift hab ich allerdings , einen ganz Dicken ...da passen Grafit - Kohle - und Rötelstifte hinein.
Verwende ich zB für Aktzeichnungen auf Großformaten ( A2 und größer) und stehend an der Staffelei
 

Ernesto

Senior Mitglied
Ich kenne aber auch diese Stifte mit den ganz dünnen Minen, die schon abbrechen, wenn sie nur scharf angeschaut werden.
Ja, die werden werden (wurden) hauptsächlich bei technischen Zeichnungen verwendet. Die Minendurchmesser entsprechen den genormten Linienstärken. (Volllinien, Schraffur, Bemaßung usw.)
Für künstlerische Zwecke bevorzuge ich ganz normale Bleistifte 2B - 6B.
LG Ernesto
 
Zuletzt bearbeitet:

MonaB

Forum-Guru
Teammitglied
Administrator
Ich nochmal ...
Da du ja sozusagen am Anfang deiner Malkarriere stehst, würde ich dir ein ordentliches Set Bleistifte empfehlen, z.B. von Faber Castell mit verschiedenen Härtegraden. Und vielleicht zum Ausprobieren einen Druckbleistift.
Wenn du dann ein wenig Erfahrung gesammelt hast, wird dir selber klar sein, ob du Druckbleistifte brauchst oder nicht.
 

Pinselhansi

Aktives Mitglied
Ich bin sowieso der Meinung, dass bei der Malerei besser weiche Minen den Vorrang haben sollten. Damit sind nur durch Druckänderungen der Hand Schatten und Tiefe ins Bild zu bekommen.
Ich kann mich erinnern, dass die harten Stifte bei technischen Zeichnungen verwendet wurden. Dann aber auch nicht auf Papier, sondern "Pergament"papier. Es waren dünne, blasse Linien. Sehr exakt, aber in der Malerei für mich unvorstellbar.

Vor sehr langer Zeit habe ich meine Zeichnungen mit Kohle auf Tapetenrückseiten gemalt. Da gabs auch die relativ dünnen Ästchen, die als Künstlerkohle verkauft wurden aber beim anfassen zerbrachen. Dann gab es noch die kleinen Scheite, mit denen man etwas anfangen konnte. Wichtig war aber nur, dass sie sich leicht malen ließ und dass auch Schatten etc. locker hinzubekommen waren.

Das Thema sollte eigentlich nicht die Frage sein, Druckbleistift oder festen Stift, sondern welche Härtegrade sollte man nehmen. (Ich nehme die Druckstifte, weil sie eben hier rumliegen.)
Bei Zeichenübungen sollte man am Anfang nicht darauf achten, dass geschlossene Linien auf dem Papier sind, und dann solange radieren und ausbessern, bis es passt. Besser wäre es, mit einem weichen Stift locker aus dem Handgelenk die gesehene Form auf das Papier zu bringen. Korrekturen kein Problem, aber ohne Radiergummi. Irgendwann formt sich dann das heraus, was man eigentlich darstellen wollte. Jetzt kann man mit kräftigen Strichen diese Form betonen.

Ein Beispiel: Schaut euch mal eine Kinderzeichnung eines Autos an. Zwei Räder, ein paar gerade Striche, die zusammenpassen. Vorsichtig und ohne Tiefenwirkung auf das Papier gebracht. Aber es ist zu erkennen: Ein Auto. Jetzt schaut mal im Netz, wie ein Designer das gleiche macht. Viele Striche, locker, irgendwann schält sich das Auto aus der Strichelei und wird dann optimal festgelegt.
Das Ergebnis ist zunächst mal das Gleiche. Ein Auto.
Aber welches ist schöner, gefälliger, würde man sich vielleicht auch kaufen?

Oh, jetzt hab ich mich aber hier verquatscht. Dabei sollten das nur ein paar Anregungen sein (die sicher nicht unbedingt mit den Anleitungen aus Lehrbüchern konform gehen), aber wir wollen doch Ergebnisse sehen und nur diese zählen. :113-in-love:
 

Ernesto

Senior Mitglied
Ja, es gibt wunderbare Designerstudien / Skizzen, das sind zum Teil richtig gute Kunstwerke. Das Prinzip der „suchenden Linien“ hat was. Ich denke, auch für Anfänger ist diese Methode durchaus zu empfehlen. Allerdings darf man nicht vergessen, das sind meist Profis, die genau wissen, was sie tun. Sie beherrschen die Grundlagen, der Perspektive und das „Modellieren“ durch Schattieren. Das sind einfach wichtige Voraussetzungen.

Wenn man einem Anfänger den Radiergummi wegnimmt, malt er nicht automatisch gute Bilder.

Eigentlich dienten solche Studien der Produktentwicklung. Inzwischen arbeiten die meisten Industriedesigner/Grafiker auch mit Computerprogrammen.

LG Ernesto
 

Pinselhansi

Aktives Mitglied
Das war doch nur ein Beispiel.

Wenn man einem Anfänger den Radiergummi wegnimmt, malt er nicht automatisch gute Bilder.
Da hast du recht. Aber vielleicht lernt er, das Wesentliche zu sehen, zu erfassen und zu Papier zu bringen. Wenn radiert wird, ist die neue Linie oft wieder die alte Linie und er wundert sich, wieso es nicht besser aussieht, als vorher.

Die Erfahrung zeigt doch, wenn radiert wird, dann wird zu viel radiert. Hilfslinien, falsche Striche, das ist doch kein Beinbruch und gehört zum lernen dazu. Wenn es denn sein muss, werden sie dann am Schluss wieder wegradiert. Aber beim Zeichnen sollte man eben nicht so stur und verkrampft malen. Lockerheit gehört dazu, um ein Gefühl für das Medium zu bekommen.

Aber ich finde, es ist contra produktiv, wenn man sich am Anfang eben auf solche Äußerlichkeiten, wie Bleistiftform oder Hersteller etc. stützt.
Ich kann mich erinnern, als ich im Hörsaal saß, da waren meine Mitschriften alle vollgekritzelt. Da war egal, ob Kuli oder Füller, ob Bleistift, oder Buntstift, da wurden Strichmännel gemacht, das war auch die Zeit, als meine Zwerge geboren wurden, und alles mögliche aus der Umgebung skizziert. Nicht nach Vorschrift oder Anleitung, sondern weil die Hand es wollte. Das kam irgendwie von innen heraus.
Eine Herausforderung war, die linke Hand ruhig liegen lassen und mit der rechten Hand diese zeichnen. Wieder und immer wieder. Irgendwann sah das dann auch aus, wie meine Hand. Dann kamen Krallen dran, usw.

Ich verzettel mich schon wieder. Was soll bloß aus mir werden ...
 

Ernesto

Senior Mitglied
Aber ich finde, es ist contra produktiv, wenn man sich am Anfang eben auf solche Äußerlichkeiten, wie Bleistiftform oder Hersteller etc. stützt.
Da bin ich ganz deiner Meinung, ein beliebiger Bleistift und normales Druckerpapier ist eigentlich völlig ausreichend. Es geht ja erstmal ums Üben, bzw. Lernen.

Zum Radieren: Im Allgemeinen versteht man darunter das Korrigieren von Fehlern. Davon halte ich nicht viel, dann lieber die suchenden Linien stehen lassen. Man sollte halt zu Beginn nur sehr wenig Druck anwenden.

Man sollte auch differenzieren, ob man eine lockere Skizze machen will oder fotorealistische „Graphitmalerei“, ohne das eine oder andere ab- bzw. aufzuwerten.
Bei letzterem benutzt man RadiererWerkzeuge nicht zur Korrektur sondern zum Malen.

LG Ernesto
 
Zuletzt bearbeitet:

Lexylas

Mitglied
Die Erfahrung zeigt doch, wenn radiert wird, dann wird zu viel radiert. Hilfslinien, falsche Striche, das ist doch kein Beinbruch und gehört zum lernen dazu. Wenn es denn sein muss, werden sie dann am Schluss wieder wegradiert. Aber beim Zeichnen sollte man eben nicht so stur und verkrampft malen. Lockerheit gehört dazu, um ein Gefühl für das Medium zu bekommen.
Zum Radieren: Im Allgemeinen versteht man darunter das Korrigieren von Fehlern. Davon halte ich nicht viel, dann lieber die suchenden Linien stehen lassen. Man sollte halt zu Beginn nur sehr wenig Druck anwenden.

Ich muss gestehen, ich tu' mich noch schwer nicht zu radieren. Aber ich habe beschlossen, den Radiergummi wegzupacken und zu versuchen, meine Linien und Skizzen so zu akzeptieren, wie sie sind, zu korrigieren, und es das nächste Mal versuchen, ein bisschen besser zu machen.

Da hast du recht. Aber vielleicht lernt er, das Wesentliche zu sehen, zu erfassen und zu Papier zu bringen. Wenn radiert wird, ist die neue Linie oft wieder die alte Linie und er wundert sich, wieso es nicht besser aussieht, als vorher.
Volle Zustimmung einer Anfängerin, irgendwie. Das trifft es fast genau, da wo ich radiere, ist der nächste Strich wieder, der dann wieder weg radiert wird, bis die Stelle auf dem Papier versaut ist. Auch deshalb ab sofort ohne Radiergummi, bzw. nur im Notfall oder am Ende.

Man sollte auch differenzieren, ob man eine lockere Skizze machen will oder fotorealistische „Graphitmalerei“, ohne das eine oder andere ab- bzw. aufzuwerten.
Bei letzterem benutzt man RadiererWerkzeuge nicht zur Korrektur sondern zum Malen.

Tatsächlich möchte ich - erstmal - in Richtung Sketching gehen, bevor ich mich höherem widme. Aller Anfang ist schwer, es braucht Geduld... zumindest die Lust habe ich! ;)

Oh, jetzt hab ich mich aber hier verquatscht. Dabei sollten das nur ein paar Anregungen sein (die sicher nicht unbedingt mit den Anleitungen aus Lehrbüchern konform gehen), aber wir wollen doch Ergebnisse sehen und nur diese zählen.
Ich verzettel mich schon wieder. Was soll bloß aus mir werden ...

Ich finde das super! Das Ausgangshema war zwar der Druckbleistift, aber ich kann unheimlich viel für mich lernen und mitnehmen aus euren Erfahrungen und Tipps - also ich finde es gut!
Übrigens, auf das Thema Druckbleistifte kam ich, weil ich das Wort "Fallminenstift" aufgeschnappt und zuvor noch nie gehört hatte.
Ich habe nun eine Vorstellung, für welche Fälle Druckbleistifte "gut" sind. Aber ich für mich bleibe bei den normalen Bleistiften und übe damit fleissig. Deshalb an dieser Stelle mein herzlichster Dank an eure Rückmeldungen, Erfahrungen, Tipps und Anreiz, aber auch die lebhafte Diskussion und den Erfahrungsaustausch über das Radieren!
 

Pinselhansi

Aktives Mitglied
Man sollte auch differenzieren, ob man eine lockere Skizze machen will oder fotorealistische „Graphitmalerei“, ohne das eine oder andere ab- bzw. aufzuwerten.
Bei letzterem benutzt man RadiererWerkzeuge nicht zur Korrektur sondern zum Malen.
Da hast du völlig recht. Da wird ja der Radierer zum Malwerkzeug. Das ist nicht nur legitim, das muss so sein.
 

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