Gerstaecker Zwischenfirnis - und plötzlich leuchtete das Bild in Zitronengelb

StB

Neuer User
Hallo,

ich bin zwar jetzt "schon" drei Jahre intensiv mit der Ölmalerei verbandelt und durch fleißiges Lernen auch halbwegs sattelfest unterwegs. Dennoch habe ich in den letzten Tagen eine Beobachtung gemacht, die mich total verunsichert:

Da ich dieses Jahr Bilder erstellt habe, die zwar noch keinen Schlussfirnis vertragen, aber schon in den Verkauf gehen sollen, habe ich mich dazu entschlossen, diese guten Stücke mit Retuschier- respektive Zwischenfirnis zu behandeln. Verwendet habe ich dafür den Zwischenfirnis von Gerstaecker. Doch diese überraschte mich bei dem ersten (vor sechs Monaten lasierten) Bild damit, dass das gute Stück nach dem Auftrag mit einem weichen, sauberen, Pinsel plötzlich Zitronengelb überzogen war. zum Glück ließ sich die Firnis-Schicht ohne Schaden an der Farbe wieder entfernen! Da ich Zitronengelb bei vielen Farben mit einmische, befürchtete ich, dass ich mit dem Pinsel die entsprechenden Farbpigmente aus der Oberfläche gewaschen hatte. Ergo versuchte ich heute bei einem anderen (ebenfalls lasierten) Bild mit deutlich weniger Anteilen an Zitronengelb das Problem mittels Sprühauftrag des Firnis zu umgehen. Beim Probesprühen auf ein weißes Tuch war auf jeden Fall deutlich zu erkennen, dass der Firnis absolut farblos und transparent aus der Spritze kam. Umso mehr war ich schockiert, als sich auch auf diesem Bild der Firnis innerhalb weniger Sekunden nach dem Sprühauftrag plötzlich eine deutliche zitronengelbe Färbung annahm. Beim Entfernen des Firnis wurden die Tücher auch deutlich gelb gefärbt!

Da ich bisher noch keinen Beitrag zu solch einem Problem gefunden habe, hoffe ich, hier vielleicht von ein paar erfahrenen Leute eine Information zu erhalten. Ich mache darauf aufmerksam, dass ich bei dem Verkäufer (Gerstaecker) schon nachgehakt habe und dass es leider zu diesem Firnis keinerlei Datenblätter gibt.

Verwendetes Material:

Farben: Schmincke Norma impasto respektive lasierend aufgetragen
Alter des lasierenden Farbauftrages der getesteten Bilder: zwischen drei Jahren (erster Versuch) und sechs bis vier Monaten (heutiger Versuch).
Malmittel: Gerstaecker Leinöl und Gerstaecker Balsamterpentinöl
Firnis: Gerstaecker Zwischenfirnis
Auftragsart: Mittels weichem Firnispinsel respektive Fixativspritze
Malgrund: Von Ölmalpapier bis hin zu grundierten Malplatten (ohne Unterschied in der Wirkung)
Problem: Zügige Färbung der transparenten, farblosen, Firnisschicht in ein deutlich färbendes Zitronengelb
Problemlösung: Keine! Nur zügige Abnahme des noch nassen Firnis.
 

catsndogs

Senior Mitglied
Entschuldige, wenn ich schreibe, ohne etwas zum Thema beitragen zu können, da ziemlich ahnungslos auf dem Gebiet der Ölmalerei (es wird sich aber gewiß noch ein/e Fachmann/-frau äußern).
Doch ich wollte wenigstens ein "Willkommen" loswerden.
Ich habe Deine ausführliche persönliche Vorstellung gelesen, die mir sehr gefällt.
Denn mir fällt schon länger auf, daß es hier durchaus nicht mehr selbstverständlich ist, sich zuerst vor- und dann Fragen zu stellen.
Viel Spaß in dieser Runde!
 

Mon

Senior Mitglied
Hallo Björn, willkommen hier im Forum! Ich freue mich u.a. über einen neuen Ölmaler.
Leider kann auch ich keine Hilfen zu Deiner furchtbaren Erfahrung geben.
Wenn die Fachlute hier nichts schreiben, kannst Du oben rechts zur "Suche" gehen, klicken, oben einfach das Wort "Zwischenfirnis" eingeben und Du erhältst viele viele Dateien, in denen das Wort vorkam. Alternativ hilft vielleicht auch das Wort "Schlussfirnis".
Ich drücke Dir die Daumen und bin natürlich auch interessiert an neu gefundenen Ergebnissen - auch an Deinen Bildern :013-happy-13:
 

Bunny0904

Aktives Mitglied
Es könnte natürlich sein das nicht fein genug gesprüht/gepinselt wurde und dadurch das Lösungsmittel im Zwischenfirnis in die untere Farbschicht gelangen und diese anlösen konnte. Dafür braucht es auch keinen Pinsel wenn die Menge zuviel ist. Aber, es würde dann eigentlich (..) nicht nur zitronengelb ablösen, es sei denn Du hast da eine Lösungsmittelhaltige Ölfarbe.
Eher glaube ich das sich das Zwischenfirnis mit dem Balsamterpentinöl als Malmittel nicht veträgt da das Gerstaecker Zwischenfirnis mit Terpentinöl und Testbenzin löslich ist.
Aber bestimmt huscht noch einer der Ölfachleute daher und kann das Problem genauer definieren.
 

Andrea_justme

Aktives Mitglied
Auch ich kann leider nicht helfen, aber lasse wenigstens ein "herzlich Willkommen, Björn" hier :blush:
Ich drücke dir die Daumen, dass du eine Antwort findest, um so das Problem in Zukunft vermeiden zu können.
 

Johndell

Senior Mitglied
Erstmal ein Gruß unter Pfeifenrauchern ;)

Also ferndiagnosen sind echt schwierig. Da ich aber auch in Öl male kann ich es nur vermuten, dass da eine Farbe oder besser gesagt ein Pigment mit dabei ist was sehr sehr lange braucht bis es getrocknet ist. Bei Öl Farben ist es so, dass die Pigmente unterschiedlich trocknen.

Punkt zwei ist: Das Ölfarben- auch wenn sie trocken sind, noch eine längere Zeit anlösbar bleiben. Ich kenne es selbst und zumanderen wird oft der trick von Kunsthändlern angewendet, dass sie bei alten Bildern mit einem leichten Lösungsmittel wie Alkohol oder Waschbenzin über das Bild gehen und so Fälschungen schnell erkennen, wenn es eine Färbung hinterlässt. Leider bleiben Ölfarben lange Zeit selbst nach dem trocknen empfindlich für Lösungsmittel und eine Firniss ist es nunmal auch... Ich mische daher immer etwas liquin in meine Farbe, wenn ich weiß dass dieses Pigment lange zum trocknen braucht. Und firnisse sehr vorsichtig.

Wenn dein Zitronengelb dann auch noch zusätzlich extrem färbend ist, würde ich es eh von der Palette werfen. Gib ja so Pigment die färben sogar die Pinsel ein oder verderben schnell Mischungen wenn man nur eine Nadelspitze zuviel nimmt. Sowas in kombination mit schlechter trocknung könnte zu sollchen Ergebnissen führen.

Andere Möglichkeiten fallen mir da nicht ein, bzw hätte ich da keine Erfahrung mit
 

Joanne

Aktives Mitglied
oh, das ist ja gemein. Ich würde mal bei Schmincke anrufen. Die sind supernett und können vielleicht mehr dazu sagen. Es ist ja immer die Frage, was in welcher Form chemisch miteinander reagiert. Welche Pigmente lassen sich leichter rauslösen etc.
 
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