Konzeptarbeit_Demenz

Sonnenwurm

Senior Mitglied
Vielen lieben Dank an @Mon, @AnJa, @Inascha und @otti123 für´s genaue Betrachten, kommentieren und interpretieren.
Eure Gedanken dazu sind so unterschiedlich, das ist für mich total spannend.
Von daher mag ich jetzt auch gar nicht so viel dazu schreiben, was genau ich damit aussagen/darstellen möchte.
Es sei denn, jemand von euch möchte das wissen, dann fragt ruhig.

Danke auch an @sika und @Vian für die "likes"!
 

Grma

Senior Mitglied
Liebe @Sonnenwurm, auch ich finde, @Mon hat die Emotionen, die dein Bild hervorruft gut beschrieben.
Das Grauen, welches auch die Betroffenen selbst anfänglich empfinden, wenn sie merken, was passiert, wird förmlich greifbar.
Ich bewundere deine Stärke, dich auf diese Weise mit dem Thema auseinander zu setzen
 

Sonnenwurm

Senior Mitglied
Ich , ja bitte...
Hier meine Gedanken zum Bild:
Ingeborg hat es ganz gut gesehen und beschrieben.....
Die Spirale quilt ja wie aus einem Kübel, der umgefallen
ist, heraus und zerfliesst.
Das Gebilde mittig ist ein Kopf samt Hals, der nach hinten umgekippt ist. Unten quillt/fließt die bunte Spirale heraus. Für mich soll das den Lebensfluss, die Energie, Kreativität, das Farbspektrum des Lebens darstellen.
Das Weiß in der Mitte ist ein nicht vorhandenes Gesichtsfeld, also Augen und Mund sind ausgespart.
Viele der stark dementen Menschen, die ich begleite, blicken ins Leere, haben keine Zuordnung, keine Worte mehr.
Das "Geäst", auf dem der Rabenvogel sitzt, soll im weitesten Sinne die Nerven/Gedanken darstellen, die ins Dunkel laufen.
Der eine Rabenvogel zieht nichts hinaus, so wie @Mon es interpretiert, sondern piekst mit einem Werkzeug hinein. Er schaut, ob da nicht noch etwas ist.
Der andere Vogel fliegt weg, weil es nichts zu holen gibt.
Die rot/weiße Umrandung habe ich in Anlehnung eines Flatterbandes (Achtung, Baustelle) gewählt.
Diese Absperrung habe ich jedoch unterbrochen - zum Einen mit der Lebensenergie, die aus dem Menschen herausfließt ebenso wie mit dem "Nerven- und Gedankendunst", der nach oben wegströmt.
Auf der Stirn ist ein rotes Kästchen, das ausblutet. Für mich bedeutet es, da gibt es einen sehr kleinen Zugang zum Menschen.....und dieser Zugang kann sehr verletzlich sein.

Das Bild mag erschreckend und verstörend wirken, doch ich sehe auch die Energie und diesen kleinen, verletzlichen Zugang, ich habe also durchaus positive Gefühle.

P.S. Danke an @Grma für deinen Kommentar!
 

Alphawoelfin

Aktives Mitglied
Ich schreibe auch noch dazu meine Eltern hatten beide Demenz sind letztes Jahr verstorben und als Einzelkind war das sehr hart für mich und man fühlt sich alleine gelassen ...
Ich finde es klasse das du das/über das Thema malst
Ich hab damals versucht in einem art Gedicht /Text mich auszudrücken

Weinend stehe ich an einem Bahnhof
Am liebsten ginge ich wie ein PC off
Doch ich muss in diesen Zug einsteigen.
In den Zug der Machtlosigkeit , Schmerzen und vielen Tränen
Er pfeift schon,ich kann ihn aus der ferne sehen

Demenz Der Zug in dem meine Eltern fahren
Viele Stationen haben wir jetzt schon durchfahren
In jeder Station starb ihr Hirn mehr
Das zu sehen schmerzt sehr ....

Heute sitzen sie schon fast im letzten Abteil
Nur noch Minuten bin ich ein Anteil
Dann kommt wieder die Frage kenne ich dich?
Vorstellen muss ich mich ...
Ich schlucke die nach vorne drängenden Tränen
Den ich kann es nicht ändern
Es ist ein loslassen lernen
Eigentlich bin ich jetzt schon alleine
Keine Familie mehr
Das schmerzt sehr
Doch Der Zug er rollt und rollt

Ich sehe wie Mama sich verändert
Wie sich Vergesslichkeit steigert.
Ich fühle das etwas passiert
Und hoffe zugleich das sich mein innerstes irrt
Ich kann nur zusehen
Es wird geschehen

Auch mein Papa verändert sich sehr
Es soll aufhören ich will das nicht mehr
An einem Tag ist er lieb und freundlich
Am anderen aggressiv und fast gefährlich
Sind es aengste die dies auslösen?
Weil beide merken das sich alte Welten auflösen

Merken Sie, dass sie so oft vergessen?
Warum ist das nicht andren aufgefallen?
Merken Sie, dass sie anders sind an manchen Tagen?
Mich dann bedrohen und mit Worten verletzen?
Aber egal wie es weiter geht
Ich bin die, die sieht und daneben steht

Machtlosigkeit mein inneres zerreisst
Aufpassen muss das meine Wut nicht an mir reisst.
Bange fragen die sich mir stellen ..
Auf was muss ich mich einstellen?
Werden Sie sich dauerhaft so werden ?
Muss ich mich an ihre aerzte eines Tages wenden?

Im Moment schreibe ich alles ungewöhnliche auf
Und hoffe wohl vergebens es hört auf..
Geniesse die guten Tage die kommen werden
Die Zeit wird die Wahrheit zeigen
Sie sind meine Eltern und das bleiben sie
Und auch mit Demenz, ich liebe sie.
 
Zuletzt bearbeitet:

otti123

Senior Mitglied
Ja, das ist hammerhart! Und man kann nichts ändern. Für Dich sehr, sehr schwer zu ertragen, aber für die beiden sicherlich eine Erlösung. Versuch, es von dieser Seite zu sehen, auch, wenn das den Schmerz nicht besser macht...
 

Alphawoelfin

Aktives Mitglied
Danke allen für die lieben tröstenden Worte :113-in-love: :bouquet:

Ich war froh das sie letztes Jahr heim berufen wurden bevor sie vergassen zu essen ,trinken ..in die leere starrend ,hier und doch nicht mehr da.
Wie einige auf der Demenzstation
Auch wenn das für mich finaziell und fürs Herz schlimm war. Ich war dankbar

Was ich aber traurig fand
Nachbarn,freunde kamen schon lange keine mehr zu ihnen zu Besuch ins Altersheim das hat Papa lange geschmerzt.
Mama hatte mal gesagt wie ein altes Buch das man wegstellt.
Zuletzt erkannten beide mich zeitweise nicht mehr aber wenn ich Fotos zeigte lächelten sie und erkannten mich.
Ich rate jedem macht ein fotobuch mit schönen Erinnerungen..
Blumen,Tiere,Menschen usw ..alles was sie mögen oder helfen kann...damit das vergessen raus gezögert werden kann.
Oft kamen noch andere Demente schauen und plötzlich war alles lebendig in ihrer Realität erzählten sie Geschichten.
Es wurde gelacht ...manchmal gesungen
Oft waren Besuche nicht nur traurig
Ich habe Demenz nicht nur als Schrecken erlebt
Den irgendwie kamen ich und meine Eltern uns näher als früher
Mama hat mich viel umarmt,Papa meine Hand gedrückt, mich angeschaut das haben sie früher nie zugelassen,man fühlte eine ganz andere tiefe Liebe...ohne Worte. Das bestädigten mir einige Angehörige es entsteht eine andere tiefere Liebe
Es ist wie ein Lebenspuzzle das Teile verliert.
Die schwerste Zeit ist wenn sie merken sie werden vergesslich,sich schämen,versuchen alles zu verstecken
Ist die Phase durch haben sie ihre eigene Realität die man möglichst nie verneinen sollte,widersprechen.....sondern mitmachen.
Sie werden sonst aggresiv,ängstlich
Beispiel :du hast Kreditkarte geklaut ,nicht sagen nein sondern Entschuldigung da hab ich sicher vergessen zurück zu legen mache ich gleich ...

Mama machte trotz Demenz bei Ausflügen mit ,sie lächelte viel
Papa zog sich zurück wurde schnell aggresiv was für mich aber reiner eigenschutz war und ich ihm nicht übel nahm

Würde ich Demenz malen wärs ein Kopf mit hirn als puzzle an einem Abgrund wo die Puzzleteile unwiderruflich runter fallen ...
Aber Hände die einander halten

Ich bin gespannt was du noch hier malst
 

Painterling

Senior Mitglied
Ich habe gerade die letzten Beiträge hier gelesen und saß sehr lange, um darüber nachzudenken, mir es vorzustellen... Ich glaube, wer es selbst im Umfeld "das" noch nicht erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen. Ich bin erstmal unendlich dankbar, dass Manuela versucht, sich diesem Thema malerisch zu nähern und uns damit die Möglichkeit gab , sich mit dem Thema auch auf dieser Ebene auseinander zu setzen.
@Alphawoelfin 's nieder geschriebene Gedanken und Emotionen sind schwer zu ertragen aber notwendig und wichtig, aber es zeigt auch die eigene Zerrissenheit beim Umgang mit Demenzkranken, noch dazu wenn es die Eltern sind. Ich habe ähnliche Gefühle erlebt, als die Schwiegermutter die ersten Zeichen von Demenz zeigte und wir damit auch nur sehr schwer umgehen könnten. Wir mussten es lernen und waren doch hin und hergerissen.
Danke an @Alphawoelfin , dass du so offen darüber sprichst und deine Emotionen so offen legst.. Auch ich möchte dich liebend gerne umarmen und dir damit danken. Danke auch an @Sonnenwurm, die uns ihre Gedanken beim Malen des letzten Bildes offen legte und mit uns teilte. Auch dir möchte ich allein für dieses Thema danken und meinen Respekt zollen, wie du versuchst mit den Betroffenen in deinem beruflichen Umfeld umzugehen und versuchst sie als verletzlichen Menschen zu begreifen. Auch dafür eine liebe virtuelle Umarmung.
 

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