Texturstudie mit Chinesischer Tusche auf Kopierpapier.

Pinselhansi

Forum-Guru
Interessant, wie es dir gelingt, die verschiedenen Graustufen darzustellen. Dadurch bekommst du echt Tiefe ins Bild. Gefällt mir.
 

Raimund

Senior Mitglied
Interessant, wie es dir gelingt, die verschiedenen Graustufen darzustellen. Dadurch bekommst du echt Tiefe ins Bild. Gefällt mir.
Danke Hans,

„Das Wichtigste in der Malerei sind immer die Tonwerte, doch bei mir ist das bisher noch reine Gefühlssache. Ich bin gerade dabei, eine passende Technik für meine Aquarellmalerei zu entwickeln, bei der ich gezielte Farbpaare für den Vorder-, Mittel- und Hintergrund einsetze. Dabei möchte ich die Farben direkt nach ihrem jeweiligen Tonwert auswählen und mischen. So kann ich die Helligkeit beim Farbauftrag über die Eigenfarbe des Pigments kontrollieren, anstatt mich allein auf die Steuerung über die Wassermenge verlassen zu müssen. Das hier war einfach ein Versuch mit Farbresten, um wieder ein bisschen in die Malerei reinzukommen, da ich länger nichts mehr gemacht habe“

Liebe Grüße Rainmund
 
Zuletzt bearbeitet:

AnJa

Moderator
Ich finde das Bild auch sehr gut, Raimund.
Es wirkt fast ein wenig elegant.
Jetzt würde ich auf dieser Basis ein Bild mit diversen Grüntönen vorschlagen..... :042-happy-8:
 

Thilo

Aktives Mitglied
Gefällt mir auch, dein Bild. Vorallem der Stamm sieht sehr gut aus. Hast du die Tusche für die Blätter verdünnt oder einfach weniger aufgetragen?
 

Barbaraa

Senior Mitglied
Hallo Raimund,
ich finde deine Studie sehr gut und was die Tonwerte anbelangt bin ich voll deiner Meinung, das ist ein ewiger Lernprozess wie eigentlich alles im Leben :030-wink-5:
 

Raimund

Senior Mitglied
Gefällt mir auch, dein Bild. Vorallem der Stamm sieht sehr gut aus. Hast du die Tusche für die Blätter verdünnt oder einfach weniger aufgetragen?
Danke Thilo :)

Ja ich habe es mit Wasser verdünnt mit wenig Pinselladung gemalt in die bereits feuchten Untergrund vom Stamm. Da Kopierpapier stark saugt, kannst du damit den Stamm modellieren.

Liebe Grüße Raimund
 

Raimund

Senior Mitglied
Hallo Raimund,
ich finde deine Studie sehr gut und was die Tonwerte anbelangt bin ich voll deiner Meinung, das ist ein ewiger Lernprozess wie eigentlich alles im Leben :030-wink-5:
Danke Barbara :)

Die Komplexität der Tonwerte in der Malerei

1. Licht & Motiv
Die Schwierigkeit liegt darin, dass verschiedene Motive sowie unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten jeweils eigene Ton- und Farbwerte aufweisen.

2. Der Eigenwert der Pigmente
Jedes Pigment hat einen spezifischen Eigenwert (z. B. Gelb ist hell, Blau ist dunkel). Beim Mischen setzt sich der neue Tonwert aus diesen Werten zusammen. Mischt man Komplementärfarben wie Rot und Grün, „bricht“ die Farbe – sie tendiert zu Grau und wird dabei automatisch etwa eine Stufe dunkler.

3. Der „Zusatzfilter-Effekt“ (Physik)
Pigmente wirken wie Lichtschlucker. Man muss sich jedes Pigment wie eine zusätzliche Filterfolie vorstellen: Jede Farbe in der Mischung zieht dem weißen Licht weitere Anteile ab (subtraktive Farbmischung). Je mehr Pigmente du kombinierst, desto weniger Licht wird reflektiert. Das Ergebnis verliert an Leuchtkraft und wirkt optisch tiefer.

4. Farbtemperatur und die „Drittfarben-Falle“
Mischt man über Kreuz (z. B. warmes Blau mit kühlem Grün), sind drei Primäranteile (Blau, Gelb + verstecktes Rot) im Spiel. Das „versteckte“ Rot wirkt wie ein dritter Filter, der die Komplementärfarbe Grün bricht. Die Mischung „rutscht“ im System automatisch tiefer (wird dunkler) und verliert an Leuchtkraft. Maximale Kontrolle: Mische Pigmente mit ähnlichem Tonwert und gleicher Temperatur-Tendenz.

5. Die Bedeutung des Untergrunds
Bilder wirken oft flach, wenn der Untergrund zu stark saugt. Ein nichtsaugender, weißer Untergrund wirkt wie ein Spiegel: Das Licht passiert die Pigmente, prallt unten ab und wird zurückgeworfen. Saugt der Grund die Farbe ein, „verhungert“ das Licht in der Leinwand. Das ist oft der Grund für mangelnde Strahlkraft.

6. Praxis-Faktoren
  • Umgebungs-Kontrast: Ein Tonwert wirkt je nach Nachbarfarbe völlig anders (Simultankontrast).
  • Trocknungs-Effekt: Farben (vor allem Acryl) werden beim Trocknen meist dunkler.
  • Transparenz: Lasuren nutzen das Licht des Untergrunds, deckende Schichten blockieren es.
7. Orientierungshilfe: Pigment-Tonwerte (Skala 0–9)
(0 = Weiß / 9 = Schwarz)
  • 1–3 (Hell): Winsor Yellow (2-3), Cadmium Yellow Light (3).
  • 4–5 (Mittel-Hell): Cadmium Orange (4), Gelber Ocker (5).
  • 6–7 (Mittel-Dunkel): Cerulean Blue (6), Cadmium Red (6), Kobaltblau (7), Sap Green (7).
  • 8–9 (Dunkel): Ultramarinblau (8), Alizarin Crimson (8), Burnt Umber (9), Phthaloblau (9).
  • Vorteil: Mischst du zwei 6er, bleibst du stabil bei 6–7. Mischst du 3 und 8, entsteht ein massiver Sprung.
Liebe Grüße Raimund
 

Pinselhansi

Forum-Guru
Viel, viel Theorie. Danke erst mal fürs Darlegen, man kann ja nur lernen dabei.
Wenn ich mir aber vorstelle, dass ich vor jedem Farbauftrag mit Tabelle und Rechenschieber nachrechnen müsste ... nönö, das geht gar nicht. Ich male sicher weiterhin nach meinem Gefühl und der Gefahr, dass auch mal ein Bild daneben geht. Bisher hat es ganz gut funktioniert und der "große Künstler" wird aus dem alten Mann sowieso nicht mehr. :040-happy-9:
 

Barbaraa

Senior Mitglied
Da hast du eine tolle Zusammenfassung geschrieben, Raimund,
nachdem ich 2 kompletteFernstudien, eines über freies und angewandtes Zeichnen und eines über die Malerei und die verschiedenen Techniken durchgezogen habe, ist mir das alles bekannt und ich finde du hast einen tollen Überblick verschafft, für die, die Interesse haben mal mehr in die Theorie einzusteigen.

Ich gebe aber Hans recht, im Malprozess selber bin ich frei und arbeite intuitiv, wenn dann allerdings für mich etwas unstimmig erscheint greife ich gerne auf die Theorie zurück.

Letztendlich beruhen diese wissenschaftlichen Theorien ja hauptsächlich auf der menschlichen Wahrnehmung, die bekanntlich unterschiedlich sein kann, auch in den verschiedenen Kulturen.

Bisher hat es ganz gut funktioniert und der "große Künstler" wird aus dem alten Mann sowieso nicht mehr. :040-happy-9:
Aber man kann davon träumen :030-wink-5:
 

Raimund

Senior Mitglied
Viel, viel Theorie. Danke erst mal fürs Darlegen, man kann ja nur lernen dabei.
Wenn ich mir aber vorstelle, dass ich vor jedem Farbauftrag mit Tabelle und Rechenschieber nachrechnen müsste ... nönö, das geht gar nicht. Ich male sicher weiterhin nach meinem Gefühl und der Gefahr, dass auch mal ein Bild daneben geht. Bisher hat es ganz gut funktioniert und der "große Künstler" wird aus dem alten Mann sowieso nicht mehr. :040-happy-9:
Grüß dich,

Das Gefühl ist das Herz der Malerei. Aber für mich ist das System kein Rechenschieber, sondern ein Sicherheitsnetz. Das hier war nur die Basis, die man wissen muss, damit man überhaupt ein System basteln kann.

Wenn die Tonwerte passen ist das die halbe Miete. Dann musst du eben nicht mehr rechnen. Ich gewinne dadurch die Freiheit und Zeit, mich voll auf die Gestaltung zu fokussieren, weil ich weiß, dass meine Farben vom Tonwert her passen.

Besonders wenn man aus dem Kopf malt, ist dieses Fundament wichtig. Wer ohne Vorlage arbeitet, muss sein eigenes Licht logisch konstruieren. Das System hilft dabei, dass die Tonwerte im Bild zusammenpassen und die Welt, die man erschafft, glaubwürdig wirkt.

Am Ende führt das System dazu, dass man dem Gefühl noch mehr vertrauen kann, weil man die handwerkliche Kontrolle behält.

Liebe Grüße Raimund
 
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