Hallo Raimund,
ich finde deine Studie sehr gut und was die Tonwerte anbelangt bin ich voll deiner Meinung, das ist ein ewiger Lernprozess wie eigentlich alles im Leben
Danke Barbara :)
Die Komplexität der Tonwerte in der Malerei
1. Licht & Motiv
Die Schwierigkeit liegt darin, dass verschiedene Motive sowie unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten jeweils eigene Ton- und Farbwerte aufweisen.
2. Der Eigenwert der Pigmente
Jedes Pigment hat einen spezifischen Eigenwert (z. B. Gelb ist hell, Blau ist dunkel). Beim Mischen setzt sich der neue Tonwert aus diesen Werten zusammen. Mischt man Komplementärfarben wie Rot und Grün, „bricht“ die Farbe – sie tendiert zu Grau und wird dabei automatisch etwa eine Stufe dunkler.
3. Der „Zusatzfilter-Effekt“ (Physik)
Pigmente wirken wie Lichtschlucker. Man muss sich jedes Pigment wie eine zusätzliche
Filterfolie vorstellen: Jede Farbe in der Mischung zieht dem weißen Licht weitere Anteile ab (subtraktive Farbmischung). Je mehr Pigmente du kombinierst, desto weniger Licht wird reflektiert. Das Ergebnis verliert an Leuchtkraft und wirkt
optisch tiefer.
4. Farbtemperatur und die „Drittfarben-Falle“
Mischt man über Kreuz (z. B. warmes Blau mit kühlem Grün), sind drei Primäranteile (Blau, Gelb + verstecktes Rot) im Spiel. Das „versteckte“ Rot wirkt wie ein dritter Filter, der die Komplementärfarbe Grün bricht. Die Mischung „rutscht“ im System automatisch tiefer (wird dunkler) und verliert an Leuchtkraft.
Maximale Kontrolle: Mische Pigmente mit ähnlichem Tonwert und gleicher Temperatur-Tendenz.
5. Die Bedeutung des Untergrunds
Bilder wirken oft flach, wenn der Untergrund zu stark saugt. Ein
nichtsaugender, weißer Untergrund wirkt wie ein Spiegel: Das Licht passiert die Pigmente, prallt unten ab und wird zurückgeworfen. Saugt der Grund die Farbe ein, „verhungert“ das Licht in der Leinwand. Das ist oft der Grund für mangelnde
Strahlkraft.
6. Praxis-Faktoren
- Umgebungs-Kontrast: Ein Tonwert wirkt je nach Nachbarfarbe völlig anders (Simultankontrast).
- Trocknungs-Effekt: Farben (vor allem Acryl) werden beim Trocknen meist dunkler.
- Transparenz: Lasuren nutzen das Licht des Untergrunds, deckende Schichten blockieren es.
7. Orientierungshilfe: Pigment-Tonwerte (Skala 0–9)
(0 = Weiß / 9 = Schwarz)
- 1–3 (Hell): Winsor Yellow (2-3), Cadmium Yellow Light (3).
- 4–5 (Mittel-Hell): Cadmium Orange (4), Gelber Ocker (5).
- 6–7 (Mittel-Dunkel): Cerulean Blue (6), Cadmium Red (6), Kobaltblau (7), Sap Green (7).
- 8–9 (Dunkel): Ultramarinblau (8), Alizarin Crimson (8), Burnt Umber (9), Phthaloblau (9).
- Vorteil: Mischst du zwei 6er, bleibst du stabil bei 6–7. Mischst du 3 und 8, entsteht ein massiver Sprung.
Liebe Grüße Raimund