Wie malt man schöne Farbverläufe, die ineinander fließen?

Johndell

Senior Mitglied
Das mit den Materialien finde ich am Anfang eh nebensächlich, zum üben sind Bleistifte und Skizzenbücher (oder normales Papier) ausreichend.
Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund teure Sachen zum üben zu benutzen.

Habe ich grade erst gesehen, die Postings haben sich etwas überschritten ;)

Also dem kann ich auch nur bedingt zustimmen und habe früher auch so gedacht. Ich habe immer lieber auf Masse gekauft zum Günstigen Preis und habe auf Tapeten gemalt hehe. Ich denke als ich Teenager war, war es Okay und hatte auch meinen Spaß gehabt.

Doch ist richtig gutes Material irgendwie Gold wert. Es ersetzt zwar nicht den Künstlerischen Ausdruck aber es kann ernorm viel erleichtern. Es macht schon einen Unterschied ob man ein Weiß hat was sich wie eine Niveacreme vermalen lässt oder eins was richtig gut pigmentpower hat. Bei günstigen Farben habe ich immer das Gefühl einen richtig dicken Farbbrei auf dem Bild zu haben. Intuitiv muss man für kleine Veränderungen der Farbmischung viel mehr Farbe rein geben damit sich was tut.

Auch verdrecken gute Farbe nicht so schnell. Ausserdem gibt es Pigmente die man als Anfänger vermeiden sollte, wie Phantoloblau, Phantologrün, preußischen Blau. Diese Farben färben ungemein, selbst in kleinster Dosierung haben sie diese Eigenschaften was sie schwer kontrollierbar macht. Ein stecknadelkopf zuviel, kann eine ganze Mischung verderben. Hat man den Pinsel damit kontaminiert überträgt es sich sogar noch in andere Mischungen die folgen. Leider ist dieses Pigment grade in günstigern Farben vertretten. Oftmals ist die Färbung so stark, dass sie auf Borstenpinsel einfärben und bei Aquarell die Mischpalette einfärben. Sicherlich kennt es der ein oder andere... Lieber nimmt man dann Ultramarin.

Aber auch bei Premiumfarben gibt es sehr gute Farben die zudem günstig sind wie Erdfarben, die gut pigmentiert sind und nicht stark färben oder wie schon erwähnt das Ultramarin. Es müssen am Anfang ja nicht gleich 20 Farben sein, eine Handvoll reicht aus. Und dann lieber zum üben kleine Formate nehmen.

Ein gutes Sortiment kann den Einstieg erheblich erleichtern und ich male auch gern, weil es mit richtigen Material viel mehr Spaß macht. Es fühlt sich soviel besser an wenn ein ordentlicher Pinsel auf einer Leinwand aufsetzt und die cremige Konsistenz einer Farbe verstrichen wird. Ich bin daher auch auf Öl umgestiegen, weil Öl dieses Gefühl nochmals steigert als würde man Butter und Make up verstreichen. Ich denke dieses Feeling trägt unheimlich viel dazu bei diese Tätigkeit zu genießen
 

Tat

Mitglied
@Johndell
Also meiner Erfahrung nach kommt es auf das Medium an. Ich hatte früher diese Öl und Acrylmalkoffer von Aldi (oder Lidl?), und während die Ölfarben eine Katastrophe waren, waren die Acrylfarben tatsächlich ok.
Sie waren zwar schlechter pigmentiert, und ich persönlich habe nach zu langem malen Kopfschmerzen bekommen, aber im großen Ganzen waren die Farben wirklich ok für den Anfang.
Und die pinsel benutze ich heute noch, weil die toll sind ;P

Die günstigen Buntstifte aus dem Aldi zum Beispiel haben auch eine sehr gute Qualität und werden oft mit den Prismacolor verglichen, nur eben nicht lichtecht.

Aber mein Kommentar bezog sich eher darauf Anatomie und perspektive zu üben. Und dafür reichen wirklich nur Bleitstift und Papier.
Ich lege auch heute noch vor jedem größeren Bild einige Kompositionsskizzen an und sehe zu dass dort bereits alles stimmt bevor es an die Farbe geht. :)
 

Netti

Mitglied
Ähm so als Anmerkung: Impressionistisches malen ist eigentlich Mega schwer, man beißt sich da die Zähne aus weil man sich im Gegensatz zum Fotorealismus, nur auf das Wesentliche konzentriert. Meist wird es als eine lose Form der Malerei gesehen die so simple und leicht aussieht, als würde man einen Moment einfangen der spielerisch daher kommt. Man meint oft dass es leicht ist, aber die wahre Kunst liegt darin es mühelos aussehen zu lassen. Praktisch wie beim Tanzen, wenn Tänzer verträumt und leidenschaftlich einander umgarnen und der Betrachter vergisst was da für ein hartes Training hintersteckt.

Diese Art der Malerei gehört auch dem Realismus an und da gibt es natürlich auch den klassischen Realismus, Fotorealismus etc. Der Fotorealismus ist eine Grundvoraussetzung dafür, jep mag man nicht glauben aber aus dem bewegt man sich zurück, in dem man aufhört zusehr ins Detail zu gehen und dann erst das Wesentliche stehen lässt. Es erfordert auch für mich immer wieder den willenskraft im richtigen Moment aufhören.

ABER: Auch da müssen Proportionen stimmen, und grade da. Weil je reduzierter man ist, um so wichtiger werden die anderen wenigeren Elemente und jegliche art der Korrektur nimmt die Leichtigkeit.
Fängt man zu früh an, also ist man anfänger und widmet man sich den Impressionen endet es oft in der naiven Malerei. Daher finde ich es gut wenn man versucht so real wie möglich zu malen.

Das stimmt, ich bin blutige Anfängerin und dachte, das impressionistische ist einfacher, aber es sieht bei mir wirklich aus wie naive malerei. Nur: Wie lasse ich es realistischer aussehen? Ich finde zum Beispiel haut malen fürchterlich schwierig, vom Farbton bis hin zu den Schattierungen, und Gesichter zu malen werde ich wahrscheinlich nie können.
 

Netti

Mitglied
Jetzt habe ich mich bei meinem letzten Versuch durch das Meer gekämpft.
Es sieht immer noch merkwürdig aus. Und drumherum malen muss ich leider immer noch.
 

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Netti

Mitglied
Habe ich das richtig verstanden, dass ihr erst den Hintergrund malt und dann darauf mit Bleistift das hauptmotiv aufzeichnet und dann ausmalt? Was macht ihr dann, wenn ihr was korrigieren müsst? Ich werd dann wahnsinnig.
 

Johndell

Senior Mitglied
Das stimmt, ich bin blutige Anfängerin und dachte, das impressionistische ist einfacher, aber es sieht bei mir wirklich aus wie naive malerei. Nur: Wie lasse ich es realistischer aussehen? Ich finde zum Beispiel haut malen fürchterlich schwierig, vom Farbton bis hin zu den Schattierungen, und Gesichter zu malen werde ich wahrscheinlich nie können.

Damit etwas Realistischer aussieht, befürchte ich dass man einfach sehr viel üben muss. Es fängt beim Sehen an und ist einfach nur training. Man kann nichts malen was man auch nicht sieht... damit ist nicht gemeint besser sehen zu können sondern Selektierter Töne trennen zu können. Unterbewusst nehmen wir es alle oder größten Teils gleich war, wie wenn man von Porzellan spricht. Wir erkennen Porzellan oder sagen dass etwas wie Porzellan aussieht und sind mit der Oberfläche vertraut. Nun ist aber die Frage, was macht Porzellan zu dem was es ist? Ist es einfach nur Grau? Ist es Farbig oder ein Verlauf? Nun muss man üben dies zu selektieren und nicht mehr nur einfach Porzellan in der Oberfläche zu erkennen sondern die Bestandteile was diese Oberfläche ausmacht. So in etwa trainiert man seine Wahrnehmung. Der Schlüssel liegt in der Subtilität. Wir vernehmen Hauttöne oftmals als eine Einheit, als einen Ton, ähnlich wie beim Porzellan, Gold, silber etc. Ist es aber nicht...

Wenn man Jahre das Sehen geübt hat und sehr sicher im Mischen ist, dann kann man Impressionen schaffen. Ich kenne es auch, man will ein Gesicht malen und mischt die Farben dafür, bringt sie auf und zack, passen die Farben nicht zusammen. Dann korrigiert man die Töne und es wird verblendet, verwischt, neu übergemalt und im Bild selbst nochmals nach gemischt. Das ist total normal dass man Farben verhaut. In der Impressionistischen Malerei lässt man sichtbar Farben stehen, einzelne Pinselstriche die es aber in sich haben. Die sind perfekt getroffen dass man später nichts mehr korrigieren muss und dies ist eben sau schwer. Das kann man machen wenn man Farbmischen im Schlaf kann. Erst mit der Übung wird man merken, dass man immer weniger korrigieren muss und dann findet man auch mehr den Mut die dinge mehr stehen zu lassen. oftmals entfällt dann das verblenden.

Ich würde mich daher auf keinen Stil einschränken lassen, sondern einfach drauf los malen, ohne große Erwartungen und eben irgendwie realistisch sein. Es wird auch normal sein viel Frust zu erleben, sehr sehr sehr viel dass man die Bilder verprügeln will. Selbst heute ist es noch so, dass andere sagen wie traumhaft das Bild doch sei, ich aber denke dass es mir aus den Augen gehen soll. Ich gehe heute noch mit Bildern auseinander als wäre es eine Scheidung :D

Um Hauttöne zu malen gibt es hier im Forum ein Haufen Anleitungen, aber es gibt keine Formel. Man kann aus allem einen Hautton machen und dieser ist von Bild zu Bild verschieden. Und auch Theorie ist wichtig, Farbenlehre, dies kann man aber alles hier nicht so einfach niederschreiben.
 

Netti

Mitglied
Klasse johndel, deine Antwort hilft mir sehr. Schön beschrieben, dein Konflikt mit deinen Bildern. Bin ich abends noch stolz und erfreut, dass mir was gelungen ist, finde ich am nächsten Morgen nur noch Fehler und meine Freude peinlich.

Heute habe ich wieder an einem Bild geübt.

Anatomisch ist es schon etwas stimmiger und ich habe auch versucht, die lichtquelle darzustellen. Das Motiv habe ich von pinterest abgemalt. Ich selbst käme sonst auf gar keine Ideen.
 

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Bunny0904

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Man sieht schon bei jedem Bild ein wenig mehr Routine, finde ich. Das ist gut und wird Dir helfen Dich zurecht zu finden.
Im Grunde wurde Dir schon alles gesagt, lass Dir mehr Zeit und wenn Du glaubst zu verzweifeln, denke daran, es wird wieder besser! :)
Generell teile ich aber die Meinung das es nichts bringt wenn man minderwertiges Material benutzt um zu üben, da übt man sich nämlich meist von a nach a und von a nach a. Man findet also kein Übungs-Ende weil es nicht nur einen farblichen Unterschied macht sondern auch einen in der Konsistenz und im Malverhalten.
Sicherlich hat jeder immer 'sein' Material, seinen Hersteller mit dem er am besten klar kommt, etc und das gilt es auch erst rauszufinden.
Aber das ist ein Prozess der sich nach und nach ergibt, da kommt man bloß schlecht hin wenn man qualitativ schlechtes Material benutzt. Das hat allerdings nichts mit dem Preis zu tun!
Sicherlich tun es anfangs auch Bleistift und Papier, wenn Du zeichnen willst ist das natürlich unabdingbar, aber es sollte kein Notizzettel sein. Der reicht nur für eine schnelle Kritzelei, nicht zum ernsthaften Lernen.

Ein schneller Hinweis zum fotografieren eines Bildes:
Lege das Bild auf den Boden und halte die Kamera gerade darüber. Wer Fotos mit dem Handy macht hat manchmal sogar ein Kreuz in der App die anzeigt wenn das Handy gerade gehalten wird, ähnlich dem Kreuz im Kompass. Achte beim fotografieren darauf das Du keinen Schatten wirfst, also das kein Licht direkt über Dir ist.
Und wenn Du malst fotografiere Dir selbst Zwischenschritte ab, geh dann mal weiter weg vom Bild, dann mal ganz weg, schau auf das Handyfoto und mache weiter.
Man muss manchmal sein Bild kurz im Stich lassen um es lieben zu können. Auch wenn es sich immer wieder so anfühlt als würde das nie der Fall werden. Das ist normal! :smirk:
Das letzte Bild gefällt mir auch bisher am besten, es ist irgendwie romantisch ohne kitschig zu wirken. Wirklich schön!
 

Netti

Mitglied
Danke bunny, ich habe schon viele Ratschläge von euch berücksichtigt und bin dankbar für eure Hilfe. Ich klebe jetzt auch meine Bilder ab/fest und benutze kein küchenkrepp mehr.

Heute habe ich mal versucht, weniger romantisch zu malen.

Kann man erkennen, dass die Frau zur Seite schaut und deshalb das Gesicht nicht zu sehen ist? Meine Freundin war irritiert.
 

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Bunny0904

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Sie schaut nach rechts, klar!
Die Lichtquelle irritiert ein wenig, man weiß nicht genau wo sie ist.
Aber es ist irgendwie süß, wie ein Mini-Pin-Up. :smiley:
 

Netti

Mitglied
Ja, bunny, das mit der Lichtquelle ist bei mir immer noch nicht logisch dargestellt.

Vielleicht ist sie einfach in irgendeinem Raum mit einer stehlampe links in der Ecke. :-)
 

Netti

Mitglied
Ich habe mich jetzt heute das erste Mal an ein Gesicht herangewagt. Keine Schönheit geworden:)

Wie malt ihr Haare?
 

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Netti

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Ich habe noch ein Bild mit acryl gemalt und jetzt aber auf pastellstifte umgestiegen.
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Netti

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Ich nutze jetzt acryl zusammen mit pastellstiften
 

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Ernest

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...ich hoffe die Beiden haben sich noch rechtzeitig wegducken können, bevor der Bösewicht mit der Zwille sie erreichen konnte! ;)
LG Erhard
 

Netti

Mitglied
Erhardt, wie malst du Hintergründe? Ich verzweifle langsam. Wenn ich vorher grundiere, kann ich meine Skizze nicht mehr gut sichtbar auftragen bzw. korrigieren. Drumrum malen sieht auch nicht gut aus. Was machst du?
Ohne Hintergrund ist es auch irgendwie kahl.
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Ernest

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Erhardt, wie malst du Hintergründe? Ich verzweifle langsam. Wenn ich vorher grundiere, kann ich meine Skizze nicht mehr gut sichtbar auftragen bzw. korrigieren. Drumrum malen sieht auch nicht gut aus. Was machst du?
Ohne Hintergrund ist es auch irgendwie kahl.
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Ich beginne bei Acryl-Bildern auf Leinwand grundsätzlich mit dem Hintergrund, zumindest bis zur Horizontgrenze mitunter aber auch komplett, was aufs Motiv ankommt. Dann skizziere meist leicht mit Aquarellstiften, möglichst in der Farbe, die dem Motiv am nächsten kommt.

Bei Aquarellbildern mache ich den HG in der Regel zum Schluss, ebenso bei Zeichnungen mit Blei- und Buntstiften!
LG Erhard (ohne "t") ;)
 

AnJa

Moderator
Hallo Netti,
mir gefällt sehr, wie Du das Mädchen in #38
134905
dargestellt hast.
Das wirkt so klar und man kann sich voll auf sie konzentrieren,
kein Drumherum lenkt ab.
 

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